Grüner Star / Glaukom

Der Begriff grüner Star oder Glaukom fasst eine Gruppe von Augenerkrankungen zusammen, die unbehandelt zu einer fortschreitenden Schädigung des Sehnervens und damit zur Erblindung führen. Die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten sind je nach Glaukomform unterschiedlich.

 

Eine häufige Ursache eines Glaukoms ist ein zu hoher Augeninnendruck. Jedoch können auch andere Faktoren eine Sehnervenschädigung verursachen oder mitbedingen.

Bei manchen Glaukom-Patienten treten schon bei normalem Augeninnendruck Nervenschäden auf.

Wofür sind die Sehnerven da?

Jedes Auge hat einen Sehnerv, der aus vielen Nervenfasern besteht. Die vom Auge (genauer gesagt von der Netzhaut) empfangenen Informationen werden über den Sehnerv zum Gehirn weitergeleitet. Erst im Gehirn werden die Informationen verarbeitet und dadurch Bilder wahrgenommen. Ohne den Sehnerv fehlt die Verbindung zwischen Auge und Gehirn. Der Sehnerv ist also essentiell für das Sehen.

 

Was passiert bei einem Glaukom / grünen Star?

Beim Glaukom kommt es zu einer zunehmenden Schädigung der Sehnervenfasern und damit zu Gesichtsfeldausfällen. Der Verlust der Sehnervenfasern und die entstandenen Gesichtsfeldausfälle können sehr lange vom Patienten unbemerkt bleiben. Meist sind dann bereits schon 90 Prozent der Nervenfasern geschädigt. Da wir meistens mit beiden Augen sehen, bemerken wir die Gesichtsfeldausfälle erst sehr spät. Das liegt daran, dass die Gesichtsfeldausfälle auf jedem Auge unterschiedlich sind. Die Sehinformationen beider Augen werden im Gehirn zusammengeführt und so können die fehlenden Sehinformationen eines Auges mit denen des anderen Auges ausgeglichen werden. Dadurch entsteht wieder ein vollständiges Bild, bis sich die Ausfälle im fortgeschrittenen Stadium schließlich nicht mehr ausgleichen lassen.

 

Glaukompatienten bemerken ihre Erkrankung meist selbst erst sehr spät, wenn beide Augen bereits starke Nervenfaserdefekte und damit große Gesichtsfeldausfälle haben. Schäden am Sehnerv sind leider nicht mehr rückgängig zu machen.

Man kann das Gesichtsfeld mit einem Puzzle vergleichen. Bei einem beginnenden grünen Star fehlen nur unterschiedliche einzelne Teile an jedem Auge, die durch das beidäugige Sehen vom Gehirn ausgeglichen werden können. Im fortgeschrittenen Stadium fehlen große zusammenhängende Teile, die auch durch die Sehinformationen des anderen ebenfalls betroffenen Auges nicht mehr ausgeglichen werden können. In diesem Fall „erfindet“ das Gehirn einen nach logischen Aspekten passenden Lückenfüller, der allerdings mit der Realität nicht übereinstimmen muss. So kann es passieren, dass zum Beispiel im Straßenverkehr andere Verkehrsteilnehmer, Personen oder Hindernisse übersehen werden – eine große Gefahr für sich selbst und für andere.

Gehören Sie zu einer Risikogruppe für das Glaukom?

  • Alter über 40 Jahre
  • familiäre Veranlagung für Glaukom
  • Diabetes mellitus
  • hoher oder stark schwankender Blutdruck
  • hohe Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit
  • dunkle Hautfarbe und Alter über 30 Jahre
  • Neigung zu Migräne oder krampfartiger Gefäßverengung (Vasospasmus)
  • zurückliegende Augenverletzung

… dann empfehlen wir Ihnen unsere moderne Glaukomvorsorge. Dabei messen wir Ihren Augeninnendruck und untersuchen Ihre Sehnerven. Bei Auffälligkeiten können wir so die Diagnose bereits zu einem frühen Zeitpunkt stellen, lange bevor Sie selbst die Erkrankung bemerken würden. So können wir Ihre wertvollen Sehnerven mit einer individuellen Therapie schützen.

Wie kommt es zu einem hohen Augeninnendruck?

Im Auge befindet sich das sogenannte Kammerwasser, welches im Auge zirkuliert und fortwährend ausgetauscht wird. Bei gesunden Augen besteht ein Gleichgewicht zwischen Neubildung von Kammerwasser und Abfluss von Kammerwasser. Das Kammerwasser ist sehr wichtig für die Ernährung, Form und Funktion des Auges.

Die Regulation kann jedoch durch unterschiedliche Mechanismen aus dem Gleichgewicht geraten, zum Beispiel wenn zu viel Kammerwasser produziert wird oder zu wenig Kammerwasser abfließen kann. Die Folge ist ein steigender Augeninnendruck.  Ein hoher Augeninnendruck kann zu einer Schädigung der Sehnervenfasern führen.

 

Welche Untersuchungen werden zur Diagnostik und zur Verlaufskontrolle durchgeführt?

Zunächst wird in einer schmerzfreien kurzen Untersuchung der Augeninnendruck gemessen. Die meisten, aber nicht alle Glaukomformen, gehen mit einem erhöhten Augeninnendruck einher. Die Messung kann mit einem Applanationstonometer durchgeführt werden oder berührungsfrei mit einem Non-Contact-Tonometer, bei dem der Augeninnendruck mittels eines kurzen Luftimpulses gemessen wird.

 

Die Kombination der Augeninnendruckmessung mit einer Messung der Hornhautdicke ist sehr sinnvoll. Denn die Hornhautdicke beeinflusst die Messergebnisse des Augeninnendrucks.  Zur Verdeutlichung des Einflusses der Hornhautdicke auf die Augendruckmessung kann man sich einen Fußball und einen Luftballon vorstellen. Beim Fußball benötigt man allein durch das dickere Material des Balls viel mehr Druck um den Ball einzudrücken als beim dünnen Luftballon, selbst wenn der Innendruck der Bälle gleich ist. Daher führt auch beim Auge eine dickere Hornhaut zu einem falsch zu hoch gemessenen Augeninnendruck und eine dünne Hornhaut zu einem falsch zu niedrig gemessenen Augeninnendruck. Über bestimmte Korrekturfaktoren kann je nach Hornhautdicke auf den realen Augeninnendruck rückgeschlossen werden. Dabei können manchmal Abweichungen nach oben oder unten um ca. 4 mmHg vorliegen. Eine berührungsfreie Messung der Hornhautdicke (optische Pachymetrie) gilt daher als internationaler wissenschaftlicher Standard. Die Hornhautdickenmessung wird meist nur 1x durchgeführt, da dieser Wert meist im Lauf des Lebens relativ konstant bleibt.

Frühe Nervenfaser-Schäden können bereits sechs Jahre bevor ein Patient erste Gesichtsfeldausfälle hat und lange bevor Schäden am Sehnerv funduskopisch sichtbar sind, mittels einer OCT-Untersuchung festgestellt werden. Die optische Kohärenztomografie (OCT) ist berührungs- und schmerzfrei. Sie misst innerhalb weniger Sekunden mit einem schwachen Laserstrahl die Sehnervengröße, die Nervenfaserschicht und die Ganglienzellschicht und führt Dicken- und Volumenmessungen durch. Dabei entstehen hochauflösende Schichtaufnahmen ähnlich wie unter einem Mikroskop. Wenn die Diagnose eines Glaukoms gestellt wird, ist das OCT ein wertvolles Werkzeug zur Verlaufskontrolle, denn schon geringe Veränderungen des Sehnervs sind damit feststellbar. So kann die Therapie zu einem frühen Zeitpunkt optimal angepasst werden.

Bei einem Glaukomverdacht führen wir ebenfalls eine Gesichtsfeldmessung durch. Dabei wird untersucht, welche Bereiche Sie vom Zentrum bis zur Peripherie hin mit jeweils einem Auge erfassen können, während Sie auf einen zentralen Fixationspunkt schauen. Die Untersuchungsergebnisse geben wichtige Hinweise auf die Funktion des Sehnervens und werden im Verlauf regelmäßig kontrolliert.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es beim Glaukom?

Die Therapie wird individuell auf Sie und mit Ihnen abgestimmt. Häufig werden augendrucksenkende Augentropfen angewendet, die regelmäßig getropft werden müssen.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bei bestimmten Glaukomformen ist die selektive Lasertrabekuloplastik (SLT).
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Beim Engwinkelglaukom führen wir eine YAG-Iridotomie durch. Auch eine antiglaukomatöse Cataract-Operation kann helfen, den Augeninnendruck zu senken. Dadurch, dass die getrübte, dickere eigene Augenlinse durch eine klare und dünnere Kunstlinse getauscht wird, ist wieder mehr Platz im Auge vorhanden und das Kammerwasser kann besser zirkulieren.

Bei schweren Fällen können weitere Operationen erforderlich sein.

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